La Dolce Vita
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Sizilien – Widersprüche ziehen an

23. November 2012

Es verwundert nur auf den ersten Blick: Die Insel an der Spitze des italienischen Stiefels ist wie der Rest des Landes von einer Krise geschüttelt, aber der Tourismus boomt. Warum auch nicht? Was hat die Finanzkraft der Besucher mit dem Mangel im eigenen Haus zu tun? Nichts. Es sei denn, man richtet den Blick auf die Landsleute. Die bleiben nämlich aus, während die Besucherzahlen insgesamt wachsen.

Auf den zweiten Blick

Das verwundert nicht, mal aus der Perspektive der Urlauber betrachtet. Sizilien bietet für jeden Geschmack und Bedarf etwas. Die Einheimischen sehen es gelassen. Krisen kommen und gehen, heisst es, der offensichtliche Mangel an Finanzen führt wenigstens nicht dazu, dass Mafia-Cash die Insel überflutet. Man muss sich einrichten. Mit mediterraner Gelassenheit. Und das Leben so packen und geniessen, wie es ist. Mit südländisch heissem Blut. Für viele ist das Wiederaufleben von Traditionen mehr als wünschenswert. So stehen aufgrund horrender Spritpreise und anderer neuer Steuern auf einmal schlichte Pferdekutschen hoch im Kurs. Mal abgesehen davon, dass ein Transport damit oder eine Sightseeing-Tour eine romantische Komponente bieten.

Gegensätzliches mit Konsequenzen

Die Landschaften auf der Insel blühen, die Sizilianer sind gastfreundlich. Nicht nur, weil sie das derzeit durch sehr günstige Preise zum Beispiel für Übernachtungen unterstreichen. Wo dringend Umsatz gemacht werden muss, profitiert der Verbraucher. In diesen Zeiten eine Unterkunft für 70€/Nacht zu buchen, die vor kurzem das Dreifache kostete, ist keine Seltenheit mehr. Widersprüchlichkeiten sind es, die faszinieren. Das allzu Glatte ist nichts, an dem man haften bleiben möchte, schon gar nicht im Urlaub. Dass es die Mafia gibt, und ihr gegenüber im selben Spiel, die Gegenmafia, übt ebenso grosse Anziehung aus wie die Frage danach, für welche Form des Urlaubs man sich entscheiden soll. Ein Blick vom Ätna, Wasserski oder Sightseeing in der Historie der Insel? Immer wieder einen Blick wert: Palermo. Egal, ob es die Begräbnisstätte des Stauferkaisers Friedrich II. ist oder eine mit Hilfe der Stadtverwaltung hergerichtete Open-Air-Festwiese um das Areal des Castello a Mare. Die Anzahl der Übernachtungen wächst, Tourismus ist derzeit die einzige Sparte der Wirtschaft Siziliens, die sich positiv entwickelt.